Eltern
und
Bezugs-
personen
Bezugs-
personen

Als Eltern und Bezugsperson möchten Sie sicherstellen, dass Ihre Kinder sich sicher und verantwortungsbewusst in der digitalen Welt bewegen. Wir bieten Ihnen an dieser Stelle Tipps, Materialien und Informationen, um die Risiken des Internets in Bezug auf sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche besser zu verstehen und Ihre Kinder im Umgang mit digitalen Medien zu begleiten und zu stärken.

Tipps

Was können wir tun, um Kinder und Jugendliche vor digitaler (sexualisierter) Gewalt zu schützen? Tipps, mit denen ihre Kinder sicherer im Netz unterwegs sind.

Geräte und der generelle Umgang

  1. Schließen Sie mit Ihren Kindern ein „Digitalabkommen“ wie dieses hier.
  2. Informieren Sie sich über Sicherheitssoftware, die das Benutzen der Webseiten begrenzt (z. B. www.time-for-kids.de
  3. Behalten Sie auch die Onlineaktivität Ihrer Kinder am Smartphone im Auge. Begrenzen Sie die Onlinezeit. Am besten mit einer „Handygarage“, in der das Smartphone ab einer gewissen Zeit, z. B. ab 20 Uhr, „geparkt“ wird.
  4. Wenn Ihr Kind unbedingt ein Tablet-Computer besitzen muss, nutzen Sie ein spezielles Kinder-Pad. Testberichte finden Sie hier.
  5. Besuchen Sie mit Ihrem Kind kindgerechte Webseiten und Suchmaschinen (Blinde Kuh, fragFINN) und treffen Sie zusammen eine Auswahl.
  6. Überlegen Sie bei jüngeren Kindern, ob das Handy bereits mit Bluetooth und Internetzugang ausgestattet sein muss.
  7. Lassen Sie Ihre Kinder maximal 70 Minuten in der Woche das Tablet / Smart-Phone oder den Computer benutzen. Bieten Sie Ihren Kindern Alternativen an wie zum Beispiel Bewegung / Gesellschaftsspiele / Bücher / Spielzeug etc.
  8. Lassen Sie Ihre Kinder nicht unbeaufsichtigt digitale Geräte benutzen.
  9. Es ist sinnvoll digitale Geräte offline zu schalten, bevor Kinder sie benutzen.

Teilen von Informationen

  1. Ein Profil einzurichten heißt, sich vor den Augen der Welt darzustellen. Besprechen Sie mit Ihren Kindern oder Schülern, wie sie sich online bzw. digital darstellen.
  2. Lassen Sie Ihre Kinder oder Schülerinnen und Schüler kein Profil erstellen ohne ein Setup der Privatsphäre und Sicherheitseinstellung.
  3. Erklären Sie Ihren Kindern, wie sie Nutzer, z. B. auf Facebook, im Chat oder im Online-Spiel melden können, wenn sie angemacht werden.
  4. Einmal ins Netz gestellte Bilder können von jedermann kopiert und bearbeitet werden. Auch Ihre Kinder haben dann keinerlei Kontrolle mehr über das Bild.
  5. Besprechen Sie, welche persönlichen Informationen Ihr Kind online oder digital weitergeben darf.

Teilen von Informationen

  1. Üben Sie mit Ihren Kindern, dass sie immer sofort ihre Eltern holen wenn sich etwas öffnet was sie nicht kennen oder ekelig finden.
  2. ⁨Schenken Sie Ihren Kindern volle Aufmerksamkeit. Legen Sie also ganz bewusst selber so oft wie möglich das eigene Gerät zur Seite.
  3. Erklären Sie Ihren Kindern, wie sie Nutzer, z. B. auf Facebook, im Chat oder im Online-Spiel melden können, wenn sie angemacht werden.
  4. Spielen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und dem Gerät, z.B. mit den Foto- und Video-Funktionen (Grimassen schneiden, kleine Filme drehen, …)
  5. ⁨⁨⁨⁨⁨Wenn Sie „Stalking“ oder sexuelle Ausbeutung eines Kindes vermuten, holen Sie sich Hilfe und schalten Sie ggf. die Polizei ein.
  6. ⁨⁨Erklären Sie Ihren Kindern den Unterschied zwischen Inhalten – also Filmen oder Sendungen – und Werbung (auch im Fernsehen).

Projekt #UNDDU? in deutscher Gebärdensprache

Alle Materialien aus dem Projekt #UNDDU? Mach Dich stark. Gegen sexuelle Gewalt durch Jugendliche an Jugendlichen finden Sie auf dem #UNDDU? Portal, auch in Deutscher Gebärdensprache!

Rockstar

Ein junges Mädchen trifft online einen Rockstar und verliebt sich.

Rockstar + Hintergrundinformationen

⁨⁨Die in diesem Video zu sehnden Täterstratgien werden nochmal genau beleuchtet

Vertrauensbeweis

Sexting Selfies als Vertrauensbeweis... Wie perfide gehen Täter vor und was kann man tun, um sich zu schützen?

Vertrauensbeweis + Hintergrundinformationen

Eine echte Fallgeschichte mit Hintergrundinformationen

Jobinterview

Sexueller Missbrauch betrifft auch Jungen. Wie also gehen Täter vor?

Jobinterview + Hintergrundinformationen

Täter nutzen perfide und klug die Notlage ihrer Opfer aus. Wie können sich Jugendliche schützen?

Beste Freundinnen


Beste Freundinnen + Hintergrundinformation


Wo fängt sexualisierte Gewalt an?

Sexualisierte Gewalt fängt da an, wo sexuelle Handlungen, Annäherungen oder Darstellungen gegen den Willen einer Person, unter Ausnutzung eines Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisses oder ohne echte Einwilligung stattfinden. Dazu gehören auch scheinbar „kleine“ oder nicht-körperliche Handlungen, wie sexualisierte Kommentare oder Erpressung/nicht einvernehmliche Weiterleitung sex. Darstellungen (Fotos/Videos) - nicht erst körperlicher Kontakt.

Nacktselfies

„Sexting“ ist das Verschicken von sexualisierten Bildern oder Filmen. Häufig sind sehr junge Mädchen betroffen, aber auch Jungs und vor allem Erwachsene sexten. Die Kampagne „Nacktselfies“ wurde ins Leben gerufen, um Eltern auf die potenziell schwierige Unterhaltung über Sexting vorzubereiten. Gleichzeitig wird gezeigt, wie man Kinder ermutigt, Probleme frei anzusprechen.

Zur Kampagne

Glossar sexualisierte und sexuelle Gewalt

Begriffe verstehen, hinschauen, benennen: Grundlagen & Begriffe zu kennen, schafft Orientierung und sensibilisiert für das Thema.

Sexualisierte und sexuelle Gewalt

Sexuelle oder sexualbezogene Handlungen gegen den Willen einer oder mehrerer anderer Personen  bei denen primär nichtsexuelle Interessen (z.B. Machtinteressen) durchgesetzt werden sollen. Sexualität wird hier also lediglich funktionalisiert. Typische Motive sind Macht oder Geld.

Sexuelle oder sexualbezogene Handlungen gegen den Willen einer oder mehrerer anderer Personen [SH1.1]bei denen primär nichtsexuelle Interessen (z.B. Machtinteressen) durchgesetzt werden sollen. Sexualität wird hier also lediglich funktionalisiert. Typische Motive sind Macht oder Geld.

Digitale Gewalt ist jegliche Gewalt, die online ausgeführt wird, sei es via Laptop, Smartphone oder sonstigen Endgeräten. Damit kann sie in jeden Raum eindringen und kennt keine Pause. Sie kann anonym stattfinden und in kürzester Zeit ein potenziell großes Publikum

Sexualisiert ist diese Gewaltform

dann, wenn sie absichtsvoll eigene Bedürfnisse gegen die sexuelle Selbstbestimmung und/oder das Einvernehmen von Kindern und Jugend-lichen durchsetzt.

 

Sexualisierte Gewalt fängt da an, wo sexuelle Handlungen, Annäherungen oder Darstellungen gegen den Willen einer Person, unter Ausnutzung eines Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisses oder ohne echte Einwilligung stattfinden.
Dazu gehören auch scheinbar „kleine“ oder nicht-körperliche Handlungen, wie sexualisierte Kommentare oder Erpressung/ nicht einvernehmliche Weiterleitung sex. Darstellungen (Fotos/ Videos) – nicht erst körperlicher Kontakt.

Formen der sexualisierten Gewalt

Es gibt körperliche und nicht-körperliche Formen sexualisierter und sexueller Gewalt.

Körperliche sex. Gewalt umfasst alle Formen, bei denen ein oder mehrere Täter den direkten, physischen Kontakt mit dem Opfer haben, von Grabbing bis zu Vergewaltigung. Nichtkörperliche sex. Gewalt umfasst alle Formen, bei denen Täter und Opfer nicht in direktem physischen Kontakt sind, wie z.B. Cybergrooming.

 

 

Glossar der Gewaltformen

Dabei handelt es sich um, sexualisierte Zurufe, Kommentare oder Geräusche im öffentlichen Raum, die meist auf das Aussehen einer Person abzielen. Catcalling zählt zu den nicht-körperlichen Formen sexualisierter Gewalt, die häufig der Einschüchterung (Machtdemonstration) der betroffenen Person dient, da ihre Grenzen verletzt werden.

Meint strafrechtlich jede körperliche Berührung, die

  • unerwünscht
  • sexuell motiviert ist oder als sexuell wahrgenommen wird
  • und die körperliche Selbstbestimmung verletzt

Bsp:

  • Grabbing (s. unten)
  • Umarmen, Küssen oder Festhalten, wenn es aufgedrängt ist
  • Unerwünschtes Streichen oder Reiben am Körper

Fachlich und in der Prävention meint sexuelle Belästigung jedoch alle (also auch nicht-körperliche) unerwünschten sexualisierten Handlungen oder Äußerungen, auch digital. Online kann sex. Belästigung also in Form von sexualisierten Nachrichten, Anfragen oder Kommentare[SH2.1]n (z.B. in Social Media oder Gruppenchats) sein, die psychologisch belasten.


Bezeichnet alle sexuellen Handlungen gegen den Willen einer Person ohne Gewalt, aber ohne Einwilligung.

Bsp.:

  • Andeutungen, dass ein Vorteil (Job, Note, Aufmerksamkeit) nur bei sexueller Gefälligkeit gewährt wird.
  • Manipulation einer anderen Person, sexuelle Handlungen an sich oder einer anderen Person auszuüben. [SH

Sexuelle Handlungen, die durch Gewalt, Drohung oder Ausnutzen in einer schutzlosen Situation erzwungen werden. Wird eine Person gegen ihren Willen zur Penetration gezwungen, ist das eine Vergewaltigung.

Dabei geht es um heimliches Filmen unter den Rock oder in den Ausschnitt. Strafbar als „Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen“

Dabei geht es um heimliches Filmen unter den Rock oder in den Ausschnitt. Strafbar als „Verletzung des Intimbereichs durch Bildaufnahmen“

Das sind negative Kommentare, Abwertungen oder Zurschaustellungen einer Person aufgrund ihres Körpers oder Aussehens. Dies ist eine Form psychischer und nicht körperlichen Gewalt und ruft bei den Betroffenen oft Schamgefühle hervor. Es kann on- und offline geschehen.

 

Ist  die gezielte Anbahnung sexualisierter Kontakte mit Kindern und Jugendlichen im Internet. Täter und Täterinnen manipulieren die Betroffenen dazu, sexuelle Handlungen  an einer anderen Person oder sich selbst zu vollziehen. Cybergrooming ist strafbar (§ 176 Absatz 4 Nummer 3 StGB).

Das ist KEINE Form der sex. Gewalt! Sexting bezeichnet den einvernehmlichen Austausch von Nachrichten mit sexuellen Inhalten (Texte, Bilder, Videos). Das ist erlaubt, wenn die andere Person ihr Einverständnis gibt und bei Jugendlichen und Erwachsenen im Rahmen des digitalen Flirtens sehr beliebt.

Sharegewalt ist sexualisierte Gewalt, bei der intimste Inhalte unfreiwillig geteilt oder veröffentlicht werden.

Sharenting (engl.: share = teilen + parent = Elternteil) bezeichnet das Teilen von Fotos, Videos oder Informationen über Kinder durch ihre Eltern im Internet, also z.B. in sozialen Medien.

Das ist eine Form der Sharegewalt, in der intime Fotos oder Videos ohne Zustimmung der abgebildeten Person veröffentlicht oder weitergeschickt werden. Das Motiv ist häufig Rache, wie der Name (engl.: revenge = Rache) verdeutlicht, aber auch Kontrolle.

Bsp.:

  • Eine Ex-Partnerperson stellt intime Bilder online.
  • Private Aufnahmen werden in Gruppenchats geteilt
  • Eine Partnerperson lädt intime Inhalte auf Pornoseiten hoch

Dabei handelt es sich um unerwünschtes Zusenden sexualisierter Bilder (z.B. sog. „Dick Pics“). In vielen Ländern strafbar; in Deutschland je nach Fall Beleidigung, Belästigung oder Sexualdelikt.

Das ist eine Form der Erpressung, bei der gedroht wird, intime Bilder oder Videos einer Person zu veröffentlichen oder weiterzuleiten. Betroffene werden zu Geldzahlungen oder sexuellen Handlungen gezwungen. (engl.: extortion = Erpressung)

 

Im Kontext der sex. Gewalt bezeichnet dies jede Form sexualisierter Gewalt an Kindern oder Jugendlichen, die in Echtzeit über das Internet übertragen wird – unabhängig davon, ob die Tat aufgezeichnet wird oder nicht.

Zumeist Männer bahnen Beziehungen zu insbesondere Mädchen oder jungen Frauen an, um diese emotional an sich zu binden, und sie später zur Prostitution zu zwingen.

Welche typischen Gewaltformen finden sich gegen Kinder und Jugendliche sonst noch im digitalen Raum?

Cybermobbing bedeutet, dass eine Person absichtlich, immer wieder über digitale Medien herabgesetzt, beleidigt, bloßgestellt oder bedroht wird. Cybermobbing passiert nicht nur einmal, sondern über längere Zeit und oft öffentlich, sodass viele Menschen es sehen können. Das macht es besonders belastend.

Bsp.:

  • verletzende Kommentare oder Beleidigungen
  • Teilen von peinlichen Fotos oder Videos
  • Verbreiten von Lügen oder Gerüchten
  • Ausschluss aus Gruppen oder Chats
  • Anonyme Angriffe oder Hassnachrichten

Cyberstalking bedeutet, dass eine Person immer wieder und gegen den eigenen Willen über das Internet oder Handy kontaktiert, beobachtet oder bedrängt wird. Ziel ist oft, die betroffene Person einzuschränken, einzuschüchtern oder zu kontrollieren. Cyberstalking ist ein dauerhaftes Muster von Belästigung, das stark belastet und Angst auslösen kann.

Bsp.:

  • Ständige Nachrichten, Anrufe oder Kommentare
  • Beobachten von Profilen oder Standort
  • Hacken von Accounts, Mitlesen von Nachrichten
  • Veröffentlichen privater Daten
  • Erstellen von Fake-Profilen, um der Person zu schaden

FAQ Eltern und Bezugspersonen

Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen zum Thema sexuelle und sexualisierte Gewalt. Verständlich erklärt und mit Hinweisen, wie Sie Ihr Kind schützen und unterstützen können.

Erkennen und schützen

Digitale und analoge sexualisierte Gewalt zielen beide darauf ab, Kinder zu manipulieren, zu kontrollieren, auszubeuten und zu schädigen. Analoge sex. Gewalt wird in der Regel direkt und im echten Leben ausgeübt und ist physisch erfahrbar. Digitale sex. Gewalt nutzt die digitalen Medien, um Missbrauchs-darstellungen von analogen oder digitalen Gewalthandlungen zu erstellen oder zu verbreiten. Heutzutage mischen sich die Formen häufig, da analoge sex. Gewalt meistens digital dokumentiert wird. Beide Formen haben psychische, emotionale und soziale Folgen, die professionell begleitet werden sollten.

Missbrauchsdarstellungen sind die Währung digitaler sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Sie können zu jeder Zeit und an jedem Ort hergestellt und heruntergeladen werden. Sie verbreiten sich im Netz in rasender Geschwindigkeit (z. B. Bilder oder Videos). Betroffene können selbst nach Löschung nicht sicher sein, ob das Missbrauchsmaterial nicht an anderer Stelle bereits gespeichert und erneut hochgeladen, bzw. veröffentlicht wird. Dieser dauerhafte Kontrollverlust verstärkt die ohnehin schon gravierenden Folgen von sex. Gewalt.

Kinder sollten so spät wie möglich und so begleitet wie möglich Zugang zu digitalen Medien erhalten. Ein früher, unbegleiteter und intensiver Medienkonsum kann die Gehirn-, Sprach- und Aufmerksamkeitsentwicklung beeinträchtigen.

Es gibt kein „magisches“ Alter, das für alle Kinder passt. Trotzdem sagen wir ganz klar: Je später, desto besser! Nicht nur birgt die Nutzung digitaler Medien per se Risiken für die gesundete Entwicklung, sondern sie bietet zusätzlich das perfekte Biotop für Täterinnen und Täter. Wir empfehlen, den anfänglichen Zugang altersgestützt und begleitet zu gestalten: Frühe Mediennutzung nur unter Aufsicht, feste Regeln, technische Schutz- und Privatsphäre-Einstellungen sowie altersgerechte Aufklärung und Vermittlung von (digitalen) Schutzkompetenzen.

Die Risiken der Social Media Nutzung teilen sich in zwei Gruppen auf und lassen sich wie folgt differenzieren:

  1. Interpersonale Risiken (Gefahren durch andere Menschen):

    Diese Risiken entstehen durch das Verhalten anderer Nutzer:innen und können Kinder emotional und körperlich gefährden. Dazu gehören z.B.:

    • Cybermobbing
    • Cybegrooming
    • Sextortion
    • Manipulation oder der Missbrauch persönlicher Daten oder Bilder
  2. Plattform- bzw. systembedingte Risiken (Gefahren durch das Medium selbst):

    Plattformen bergen auch Risiken, die aus ihrer Struktur und Funktionsweise entstehen.

    • Empfehlungsalgorithmen überfluten Kinder mit Inhalten, binden ihre Aufmerksamkeit, um die Nutzungsdauer zu steigern und begünstigen dadurch Stress, Schlafprobleme, Angstzustände oder können schwierige Themen, wie Körperunzufriedenheit und Ernährung, verstärken.
    • Soziale Netzwerke fördern einen ständigen Vergleich mit idealisierten Bildern, was den Selbstwert beeinträchtigen kann.
    • Durch mangelnde Barrieren erhalten Kinder außerdem leicht Zugang zu ungeeigneten, mitunter verstörenden Inhalten, wie Gewalt, Pornografie oder extremistischen Beiträgen.
    • Anonymität und schnelle Verbreitungsmöglichkeiten erleichtern gewaltvolle Dynamiken, wie beim Cybermobbing.
    • Zusätzlich spielen wirtschaftliche Interessen der Plattformen eine Rolle: Datentracking und -speicherung sowie Manipulationsmechanismen – Werbungen mit Influencern oder In-App-Käufe – können Kinder gezielt beeinflussen.

Online-Spiele wie Roblox, Minecraft oder Fortnite gehören fest zur digitalen Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Wichtig ist, dass Kinder altersgerechte Online-Spiele in Maßen nutzen. Hierbei sollten Eltern das Spielen begleiten (z.B. Mitspielen), Regeln mit ihren Kindern vereinbaren und Gefahren kennen. Genau wie in sozialen Netzwerken auch, bergen Online-Spiele sowohl Risiken durch andere Menschen im Spiel (interpersonale Risiken), als auch durch das Spiel und das Medium selbst.

 

 

Versuchen Sie ihrem Kind gegenüber, eine offene und interessierte Haltung einzunehmen und ihre eigene Scham über solche Themen abzuschütteln. Fragen Sie ihr Kind, was es über den Körper schon weiß oder ob es versteht, was eine Grenze ist?

Erklären Sie ihm, dass eigene Grenzen eine Art innere „STOP“-Schilder sind, die anzeigen, wenn einem etwas zu weit geht, zu viel ist oder wird oder man etwas nicht möchte. Das kann etwas Gesagtes, eine Berührung oder auch eine Nachricht im Chat sein. Erklären Sie, dass Grenzen individuell sind („Was für dich O.K. ist, muss nicht auch für mich O.K. sein“) und, dass man die eigenen Grenzen oft m.H. des eigenen Bauchgefühls spürt. Vermitteln sie außerdem, dass Grenzen akzeptiert und respektiert werden sollten und es nicht O.K. ist, wenn eine Person darüber hinweggeht.

Klären Sie ihr Kind darüber auf, dass es nicht O.K. ist, berührt zu werden, ohne eine Erlaubnis gegeben zu haben und, dass es außerdem Körperteile gibt, die „privat“ sind. Erklären Sie darüber hinaus, dass niemand Fotos von ihm ohne Erlaubnis machen oder teilen darf.

Sprechen Sie offen, wiederholt und altersgerecht über Körper, Privatsphäre und das Recht auf „Nein“.

Üben Sie einfache Sätze wie „Stopp, ich will das nicht“.

Potenziell gefährliche oder gewaltvolle Kontakte zeichnen sich oft durch eine schnelle Vertrauensannäherung, intensive Komplimente, Geschenke oder „digitale Gesten“ zur Manipulation oder Geheimhaltung aus. Wenn Ihr Kind sich zurückzieht, nur noch Zeit mit diesem „neuen online Freund“ verbringt oder versucht, den Kontakt zu verheimlichen, sollten Sie aufmerksam werden. Erzählt ihr Kind von einem neuen, (verdächtigen) Kontakt, dann versuchen Sie ruhig zu bleiben, interessiert zu zuhören und im Anschluss durch offene Fragen, mehr über den Kontakt oder die Beziehung in Erfahrung zu bringen. Damit sich ihr Kind eingeladen fühlt, seine Erfahrungen mitzuteilen, versuchen Sie perspektivoffen – der Lebenswelt ihres Kindes gegenüber respektvoll – und nicht vorverurteilend („Digitale Freundschaften? Die können ja gar nicht echt sein!“) zu bleiben. Halten Sie das Gespräch und den Austausch über digitale Beziehungen, bzw. „diesen neuen online Freund“ weiterhin aufrecht, um sich über die Qualität der Beziehung zu versichern.

Bitten um intime Fotos oder unter Druck setzen zu Treffen überschreiten beispielsweise die Grenzen eines Kindes und außerdem womöglich den legalen Rahmen und sind mehr als verdächtig! Sollte ihr Kind Andeutungen machen, dass solche oder andere illegale/ manipulative Verhaltensweisen durch den neuen online Freund gezeigt wurden, besteht akuter Handlungsbedarf.

  • Grooming: Anbahnung sex. Kontakte häufig mithilfe von Manipulationsstrategien
  • Sextortion
  • Anonymität, z.B. Fake Profile, Kinder o. Jugendliche imitieren
  • Grenzverschiebung: Normalisierung von (einem Austausch über) Sexualität
  • Manipulation & Druck
    • Schuldumkehr („Du wolltest es doch auch.“)
    • Emotionale Erpressung („Wenn du mich liebst…“)
    • Geheimhaltungsdruck („Das bleibt unser Geheimnis, sonst …“)
    • Drohungen („Sonst erfahren alle, was du geschickt hast“)
    • Angst erzeugen („Ich kenne deinen Namen/Schule…“)
    • Kontrolle ausüben („Du musst mir immer so schnell es geht antworten, sonst mache ich mir Sorgen“)
  • Isolation: Konflikte mit Eltern verstärken, gegen Freunde aufstacheln, emotionale Abhängigkeit und „Zeit zu zweit“ schaffen
  • Ausnutzen technischer Mittel, um parallel mehrere Kontakte anzubahnen, VPN-Server, private Chaträume, Sprachchats

Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, indem Sie ihrem Kind signalisieren, dass Sie die Andeutungen ernst nehmen und ihm zusichern, ihnen alles erzählen zu können ohne, dass dies negative Konsequenzen hat (s. Täterstrategien). Erkennen Sie die Gefühle ihres Kindes an und signalisieren Sie ihm, dass Sie ihm glauben. Bleiben Sie ruhig und setzen Sie ihr Kind nicht unter Druck, auch wenn dies eine emotional angespannte Situation ist. Stellen Sie offene und keine suggestiven Fragen.

Wenn Sie unsicher sind, suchen Sie fachliche Beratung (z. B. Beratungsstellen, Hilfetelefon).

Kontaktieren Sie bei akutem Verdacht die Polizei. Dokumentieren Sie relevante Informationen AUF DEM ENDGERÄT D. KINDES.

Bei konkretem Verdacht, bzw. akuter Gefahr: Notruf/ Polizei!

Spezialisierte Beratungsstellen im Umkreis, wie z.B. für Berlin

Fachberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie über das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch: https://www.hilfe-portal-missbrauch.de/startseite

Schaffen Sie eine vertrauensvolle Atmosphäre, indem sie eine ruhige und ungestörte Umgebung wählen, ihrem Kind signalisieren, dass sie ihm glauben, alle Gefühle okay sind und es selbst keine Schuld trägt, für das was gerade passiert ist.

Nehmen Sie eine fragende und interessierte Haltung ein, stellen Sie offene Fragen und sprechen Sie ruhig, sensibel, wertschätzend und ohne Vorwürfe mit Ihrem Kind. Was ist passiert? Seit wann? Besteht weiterhin Kontakt zum Täter? Auf welcher Plattform?

Überlegen und besprechen Sie gemeinsam die nächsten Schritte: Partizipation stärkt die Selbstwirksamkeit ihres Kindes und gibt ihm das Gefühl, Kontrolle wiederzugewinnen.

Bei bestehender (digitalem) Verbindung mit dem Täter, ist es dringend notwendig, den Kontakt, nach Sicherung potenzieller Beweismittel, sofort zu unterbrechen, um ihrem Kind ein Sicherheitsgefühl zurückzugeben. Erklären Sie sofortige digitale Schutzmaßnahmen (wie z.B. Blockieren oder Melden), sichern Sie Screenshots AUF DEM GERÄT DES KINDES. Wenden Sie sich an Beratungsstellen, an die Behörden, bzw. konsultieren sie professionelle juristische oder psychologisch-psychotherapeutische Hilfe, wenn nötig. Zur Prophylaxe weiterer Übergriffe und allgemeinen Nachsorge empfiehlt es sich, das Geschehene auch im Nachhinein zu besprechen, den Umgang mit digitalen Medien zu reflektieren und die Resilienz ihres Kindes zu stärken.

(Digitale) sex. Gewalt hinterlässt oft nicht sichtbare, psychische Folgen bei den Betroffenen. Mit dem Ende des Missbrauchs beginnt dabei erst die eigene Auseinandersetzung mit dem Geschehenen. Heilung ist ein Prozess, der Zeit braucht. Es ist von größter Bedeutsamkeit, Kinder diesen Prozess nicht alleine durchmachen zu lassen.

Begleiten Sie Ihr Kind kontinuierlich in dem Prozess, indem Sie Sicherheit, Stabilität und Verlässlichkeit bieten. Bleiben Sie (emotional) ansprechbar für jedwede Gefühle Ihres Kindes und ermöglichen Sie auch weiterhin regelmäßige Gespräche bzw. beziehen Sie professionelle Hilfe ein. Unterstützen Sie Ihr Kind darin, Selbstvertrauen, Selbstwirksamkeit und gesunde Grenzen (wieder) aufzubauen. Vereinbaren Sie gemeinsam einen Rahmen für die Nutzung digitaler Medien mitsamt Regeln.

Bildungsangebot

Unsere Workshops, Projekte und Vorträge vermitteln Kindern und Jugendlichen wichtige Kompetenzen und stärken Erwachsene in ihrer Begleitung. Im Fokus stehen Sicherheit, Selbstbewusstsein und ein achtsamer Umgang miteinander. Interessierte können sich direkt für die Angebote anmelden und von den Materialien und Impulsen profitieren.
Zu unserem Angebot

Wo kann ich Hilfe finden?

Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch:

0800 22 55 530 (kostenfrei und anonym)

Nummer gegen Kummer:
Kinder 116 111
Eltern 0800 111 0550

Digital schreib-ollie.de

Weißer Ring Opfertelefon: 116 006

Zur Hilfe Seite
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner