Harte Fakten

Sexualisierte Gewalttaten gegen Kinder sind keine Einzelfälle. Diese Gewalt findet viel häufiger statt, als wir es wahrhaben wollen. Die Zahlen sprechen für sich. Wenn Sie sich sorgen, werden Sie aktiv!
In 82% der Fälle sind Eltern oder Angehörige an der sexualisierten Gewalt beteiligt.
Sexualisierte Gewalt wird in 75% der Fälle im engsten Familien- und Bekanntenkreis ausgeübt.

Aktuell (Stand 08/2025) gibt es über 200 Millionen aktive Websites im Internet¹ mit über 6 Milliarden Internet-Nutzern². Deutschlandweit nutzen 95 % der Bevölkerung Social Media.³ Über die Hälfte der Kinder zwischen 6 und 13 Jahren benutzen das Internet täglich.⁴

Dieses enorme digitale Universum bietet ein ideales Versteck für illegale Internetseiten oder sogenannte Filesharing-Netzwerke – Datentauschbörsen – mit schockierenden kriminellen Inhalten wie Darstellungen von sexualisierter Gewalt, Misshandlung und Kinderhandel.

Lediglich 1% aller Fälle wird den Jugendämtern oder Ermittlungsbehörden bekannt.

Durch Smartphones und Webcams wird das Aufnehmen sexualisierter Gewalthandlungen einfacher, der Versand erfolgt blitzschnell. Natürlich ist die politische Öffentlichkeit längst alarmiert, aber die Kriminalität an Kindern mittels digitaler Medien wächst so rasant, dass wir auch als Gesellschaft gefragt sind, gegenzusteuern. Insbesondere im Bereich der sexualisierten Gewalt gegen Kinder haben die digitalen Medien zu einer Eskalation des Problems geführt.

Was viele nicht vor Augen haben: Jeder Missbrauchsdarstellung liegt dabei eine reale sexualisierte Gewalthandlung an einem Kind zugrunde.             

In jeder Schulklasse sitzen 1-2 betroffene Kinder.

Hinzu kommt auch eine neue Dimension durch generative Künstliche Intelligenz. KI-Programme können beispielsweise Missbrauchsdarstellungen generieren, indem sie echte, normale Fotos von Kindern nehmen und diese mittels neuer technischer Möglichkeiten in einen anderen Kontext stellen. Daher warnen wir seit Jahren auch davor, Kinderbilder (gleich welcher Art) frei zugänglich im Internet zu posten.

Das entscheidende bei diesem Phänomen ist der scheinbar anonyme und relativ günstige Zugang zu:

  • Einer großen Anzahl Bilder von sexualisierter Gewalt aus aller Welt, die jederzeit von jedem Ort zugänglich sind.
  • Einer enormen Menge an Kinderfotos aus dem höchstpersönlichen Lebensraum, die mit der Netzöffentlichkeit geteilt werden. Nicht selten durch die Eltern.
  • Einer direkten, ungestörten Kontaktaufnahme mit vielen potenziell Betroffenen in sozialen Netzwerken, Chatrooms, Onlinespielen oder über Messenger.

Sharegewalt & Sharenting

Sharegewalt ist sexualisierte Gewalt, bei der intimste Inhalte unfreiwillig geteilt oder veröffentlicht werden. Sharenting (engl.: share = teilen + parent = Elternteil) bezeichnet das Teilen von Fotos, Videos oder Informationen über Kinder durch ihre Eltern im Internet, also z. B. in sozialen Medien. Der Begriff hebt hervor, dass beim (nicht einvernehmlichen) Teilen die Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre der Kinder verletzt und ihre Sicherheit letztlich gefährdet wird.

Das Netz ist frei – die Kinder sind Freiwild

Pädokriminalität wird verstärkt von internationalen, kriminellen Netzwerken organisiert, die sich digitaler Technologie bedienen. Im Internet tauschen und verkaufen sie ihr „Material“ und jagen „ihre Beute“, d. h. sie nutzen es, um Kinder und Jugendliche anzusprechen.

  • Laut einer Hochrechnung aus der MIKADO-Studie (2015) und der ARD/ZDF Online-Studie (2015) haben in Deutschland 728.000 Erwachsene sexualisierte Kontakte zu Kindern.
  • Digitale Medien verändern die Dimension sexueller Gewalt gegen Kinder nachhaltig. Das beweisen die Fälle in Münster (2020) und Wermelskirchen (2021), oder die Aufdeckungen von Gewalt-/Missbrauchsnetzwerken wie „Alice in Wonderland“ (2024) oder „764/White Tiger“ (2025).
  • Besitz, Beschaffung und Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen nehmen laut Kriminalstatistik zu. Die aktuelle Kriminalstatistik des BKA zeigt zwar einen leichten Rückgang der Verbreitung, Erwerb, Besitz und Herstellung sog. kinderpornografischer Inhalte im letzten Jahr (–5,2 % 2024 vgl. zu 2023), jedoch weiterhin einen Anstieg der sog. jugendpornografischen Inhalte um 8 % binnen eines Jahres (2023 zu 2024).
In Deutschland haben 728.000 Erwachsene sexualisierte Kontakte zu Kindern.
  • KI-generierte Darstellungen von sexualisierter Gewalt an Kindern stellen ein neues Phänomen in der Thematik dar. Die Internet Watch Foundation notierte 2024 einen Anstieg der Fälle von 380% im Vergleich zum Vorjahr.
  • Eine Untersuchung (2018) der Internet Watch Foundation zu Livestream-Missbrauch (sexuelle Gewalt via Webcam) ergab, 98 % der Opfer sind Kinder unter 13 Jahren und 96 % der Fälle von Livestream-Missbrauch geschehen zu Hause oder im Kinderzimmer der Betroffenen. Das bedeutet die Täter und Täterinnen gelangen digital direkt in das vermeintlich sichere Kinderzimmer.
  • Das Ausmaß des Missbrauchts reicht bis zu schweren Gewaltausübungen – sogar gegen Kleinstkinder.
98% der betroffenen Kinder sind jünger als 13 Jahre.

Livestream Missbrauch

Im Kontext der sex. Gewalt bezeichnet dies jede Form sexualisierter Gewalt an Kindern oder Jugendlichen, die in Echtzeit über das Internet übertragen wird – unabhängig davon, ob die Tat aufgezeichnet wird oder nicht.
  • Die „Child Victim Identification Program“-Datenbank des „National Center for Missing and Exploited Children“ hat allein seit Gründung 2002 bis Dezember 2025 mehr als 425 Millionen Missbrauchsabbildungen analysiert. Wie viele individuelle Opfer sich hinter dieser Zahl verbergen, ist nicht bekannt. Die Kinder in diesen Darstellungen werden jedoch zunehmend jünger. Gezielt werden Kinder im vorsprachlichen Alter ausgewählt, denn diese können nicht um Hilfe bitten und sind besonders hilflos.
  • Konsument:innen von Missbrauchsdarstellungen leben in aller Regel in Beziehungen, haben Arbeit, verfügen über einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten und eine Universitätsausbildung und sind nicht vorbestraft. Sie führen oft ein durchschnittliches und unauffälliges Leben.5
96% der Opfer von Live-Stream- Missbrauch (sexuelle Gewalt via Webcam) werden Zuhause oder sogar im eigenen Zimmer missbraucht.

Weiterführende Informationen

Linkliste

Hier finden sich nützliche Links zu Informationsseiten, Beratungsangeboten und weiterführenden Materialien zum Thema sexuelle Gewalt. Die Sammlung bietet verlässliche Quellen für fachliche Orientierung und praktische Unterstützung.

Literatur

Diese Literaturliste enthält ausgewählte Fachbücher, Studien und Publikationen zum Thema sexuelle Gewalt. Sie dient der vertiefenden Information und unterstützt die Auseinandersetzung mit der Thematik auf fundierter Basis.

Bücher für Kinder

Ich bin doch keine Zuckermaus. Neinsagegeschichten und Lieder mit CD (2003)

Eine lebendige Geschichte, in frischen Farben illustriert, um den Kinderalltag von Paula (fast sechs)und ihrem Freund Max.
Sonja Blattmann
mebes & noack

Das große und das kleine Nein (1997)

Bilderbuch für Kita, Kindergarten und Grundschule, Klasse 1−4
Gisela Braun & Dorothee Wolters
Verlag an der Ruhr

Melanie und Tante Knuddel (2006)

Melanie hat eine Tante, die alle Leute knuddeln will. Eigentlich ist sie gar nicht so übel, bringt immer Schokolade mit und so – aber auf Knuddeln mit ihr hat Melanie einfach keine Lust.
Gisela Braun & Dorothee Wolters
mebes & noack

Mein Körper gehört mir! (2002)

Nein zu sagen und unangenehme Berührungen abzuwehren, ist nicht einfach. Selbstbewussten Kindern fällt es leichter, deutlich zu sagen, was sie mögen und was sie nicht mögen
Dagmar Geisler
Loewe Verlag

Der Kummerkönig. Bilderbuch mit Ratgeber für alle, die sich um Kinder-Kummer kümmern (2018)

Das Begleitmaterial für erwachsene Bezugspersonen innerhalb und außerhalb der Familie sowie Fachkräfte gibt einen Orientierungsrahmen für den Umgang mit Mädchen und Jungen, die Schlimmes erleben.
Lydia Keune-Sekula & Franziska Becker (Hrsg.)
mebes & noack

Katrins Geheimnis. Eine Geschichte über sexuelle Übergriffe unter Geschwistern (2009)

Marion Mebes
mebes & noack

Hände weg von Han Schu. Medienkombination mit Begleitmaterial und Audio-CD (2009)

Mit didaktischem Begleitmaterial mit Fachinformation.
Britta Vollmer
mebes & noack

Bücher & Medien für Jugendliche

Im Chat war er noch so süß (2006)

Roman für Jugendliche von 12–16 Jahren, auch als Klassenlektüre an weiterführenden Schulen geeignet.
Annette Weber
Verlag an der Ruhr

Falsche Freundschaft. Gefahr aus dem Internet (2012)

Taschenbuch.Seit Yannick den Computer seines Bruders geerbt hat, verbringt er jede freie Minute im Netz. Hier kann ihm niemand etwas vormachen. Und wenn es mal nicht so gut läuft, vertraut er sich seinem besten Chat-Freund Kaktus an. Ihm kann er alles erzählen. Doch eines Tages schlägt Kaktus ein Treffen vor. Yannick weiß nicht, in welcher Gefahr er plötzlich schwebt.
Brigitte Blobel
Arena Verlag

Geil, das peinliche Foto stellen wir online (2010)

Roman für Jugendliche von 12–16 Jahren, auch als Klassenlektüre an weiterführenden Schulen geeignet,
Florian Buschendorff
K.L.A.R.

Riskanter Chat (2008)

Taschenbuch. Außer Kontrolle – ein Online-Flirt mit gefährlichen Folgen So verliebt war Jade noch nie. „SuperSound“, ihr Chatpartner, macht ihr unglaublich schöne Komplimente und flirtet mit ihr. Doch nachdem sie ihm zuliebe ihre Webcam angeschlossen hat, verändert sich ihr Verhältnis
Caja Cazemier
Arena Verlag

CYPERMOB. Mobbing im Internet (2012)

Taschenbuch.Die erste Mail hält Carmen noch für einen Scherz. Für einen ziemlich dummen, unverschämten Witz. Schließlich hat sie niemandem etwas getan. Bei der zweiten Mail ist sie sich nicht mehr sicher. Und was danach kommt, verschwimmt in ihren Gedanken zu einem Gefühlsbrei aus Unsicherheit, Angst, Scham und dem Bedürfnis, unsichtbar zu sein. Bis der Unbekannte einen verhängnisvollen Fehler macht.
Susanne Clay
Arena Verlag

Ich hab schon über 500 Freunde (2012)

Roman für Jugendliche von 12-16 Jahren, auch als Unterrichtslektüre an weiterführenden Schulen geeignet
Armin Kaster
K.L.A.R.

Alice im Netz: Das Internet vergisst nie. (2010)

Taschenbuch
Antje Szylla
zweihorn

Chatroom-Falle (2009)

In ihrer Arbeit als Kriminalbeamtin erlebte Helen Vreeswijk nur zu oft, wie Jugendliche via Internet Opfer von Missbrauch und Gewalt wurden. Um Mädchen und Jungen vor den Gefahren der vermeintlich anonymen Chatrooms zu warnen, hat sie dieses Buch geschrieben.
Helen Vreeswijk
Helen Vreeswijk
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