⁨⁨⁨⁨26.03.2026
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Next Level: Die Smartbrille kam – und niemand hat es kommen sehen

Sogenannte „Smartglasses“ sind Datenbrillen. In Form einer Brille kann also nun ein komplettes Datensystem gleich einem Smartphone am Kopf getragen werden. Das Aktivieren der Kamerafunktion muss eigentlich durch ein optisches Signal kenntlich gemacht werden. Eine Sicherheitsfunktion, die meist umgangen wird.

Es ist verblüffend, dass diese Brillen seit über zwei Jahren frei erhältlich sind und dadurch eine nicht kontrollierbare, private Überwachungsstruktur und Möglichkeiten des nicht einvernehmlichen Erstellens von Bildern und Videos geschaffen haben. Der gesellschaftliche Aufschrei bleibt aus. Auch überraschend ist das mangelnde Interesse an der Tatsache, dass Meta 80 % der Marktanteile der Brillen hält: Sie können direkt auf Social Media streamen, ohne Kenntnis der Gefilmten.

Neben datenrechtlich problematischen Sachverhalten und der Möglichkeit anonymer Eingriffe auf das Recht am eigenen Bild und der informationellen Selbstbestimmung, die hierdurch entstehen, sehen wir für den Kinderschutz zwei gravierende Probleme: Pädokriminelle Täter können völlig unbemerkt, Foto- und Videoaufnahmen von Kindern machen. Aufnahmen, die weitergeleitet und ins Internet hochgeladen werden, können im Darknet veröffentlicht oder manipuliert werden, sodass sie in KI-generierten Missbrauchsdarstellungen münden

Zum anderen ist erschreckend, wie viele Psychologen und Jugendschützer vor einer neuen Qualität digitaler Gefahren warnen, während die Tech-Industrie Smartbrillen als nächste Stufe der menschlichen Konnektivität feiert. Bei Smartglasses geht die Qualität bis hin zu vollwertigen Augmented-Reality-Brillen.

Bei Jugendlichen, deren präfrontaler Kortex – zuständig für Impulskontrolle und logisches Denken – noch nicht voll ausgereift ist, führt dies zu einer massiven Verschiebung der Dimensionen Realität und Fiktion und bildet eine große Verlockung zur Realitätsflucht. Die ständige Verfügbarkeit digitaler Inhalte direkt auf der Netzhaut untergräbt die Fähigkeit zur tiefen Empfindung.

Deshalb appelliert Miriam Wecke, Psychologin bei Innocence in Danger eindringlich:
„Smartbrillen sind kein bloßes Spielzeug, sondern ein mächtiges psychologisches Instrument. Der Schutz von Kindern erfordert hier mehr als nur technische Filter, gute Aufklärung und beschränkte Nutzungszeiten. Die Politik muss endlich – nicht nur in Form von Lippenbekenntnissen – Stellung beziehen in Bezug auf Technologien, die die Profite von Großkonzernen über den Schutz der Schwächsten stellt.
Zudem wird mit Smartbrillen der private Moment teilweise komplett abgeschafft. Insbesondere der Schutz von Kindern, die jederzeit in intimsten und verletzlichen Momenten fotografiert, gefilmt und gestreamt werden können, wird dadurch ad absurdum geführt. Kinder haben ein Recht darauf, unbeschwert aufzuwachsen, ohne dass jeder flüchtige Kontakt potenziell biometrisch erfasst wird.“

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